Bis zum Jahr 1577 wurde in der Chronik unserer Liegenschaft zurück recherchiert. Nicht das erste Mal wurde auf diesem Besitz mit Schafen gewirtschaftet. Den Vulgonamen "Weberlukas" verdankt mein Hof einem Webereibesitzer namens Lukas. Im Alter von 20 Jahren übernahm ich diesen Hof. Damals hatte ich das Verlangen auf diesem "Platzerl" mein Leben zu gestalten. Meine Vorfahren mühten sich auf diesen steilen Flächen der Zone 3 mit Rindern ab. Schafe, die kamen mir für die Bewirtschaftung bequemer vor.
Einige Jahre vergingen, die Schafrassen wechselten und vermischten sich des Öfteren. Die Schlachtlämmerproduktion stellte mich nicht zufrieden. Nach meinem ersten Versteigerungsbesuch kamen die ersten Bergschafe auf meinen Hof. Lange schöne Ohren, die Ramsnase, der ausgezeichnete Mutterinstinkt und eine bis dahin nicht gewohnte Fruchtbarkeit ließen es warm um mein Herz werden. So begann ich im Jahre 1990 mit der Bergschafzucht; eine Mischung aus Gewinn, Nutzen Freude und Tierliebe. Eine Redensart im Bauernjargon hielt mich lange zurück, an Ausstellungen teilzunehmen: "Hast eh ka Leiberl gegen gewisse Machenschaften". Aus Neugierde nahm ich 1998 das erste Mal an der Vier-Länder-Schau in Öblarn teil. Nicht im Traum habe ich an meinem damaligen Vier-Länder-Gesamt-Sieg gedacht.
Die Bestätigung, doch etwas bessere Tiere im Stall zu haben, war ab sofort der Anstoß noch ein Schäuferl nachzulegen. Bei jeder Ausstellung gab es neue Prämierungen. Aber dazu kam es nicht von selbst. Die Liebe zu den Tieren wurde stärker. Heute unterscheidet sich für mich jedes meiner 30 Mutterschafe in Ausdruck und Bewegung. Ein viel größerer Bezug zu den Schafen hat sich entwickelt. Durch die Freude zum Tier ergibt sich eine Verbindung zu jedem einzelnen.
Mit einigen Zuchtkollegen verhält es sich da leider etwas anders. Neid, Schadenfreude Konkurrenzdenken, das sind Worte die nicht in einem Zuchtgeschehen beinhaltet sein dürfen. Aber wo das Böse herrscht, kommt das Gute besser zur Geltung. Ein gewisses Zuchtziel hat sicher jeder vor Augen. Durch diverse Geschäftsabschlüsse und Siege bei Ausstellungen kam es schließlich zum Durchbruch. Es ist zwar aufwändig an den größten Bergschafschauen teilzunehmen, dafür ist aber die Freude darüber mit meinen Tieren in die Reihen der Besten zu gelangen umso größer.
Immer weiter entwickelte sich das Verlangen vorne dabei zu sein. "Hast Bienen und Schaf, dann leg dich in Schlaf": Nicht ganz so ist es. Ich hab` alle Hände voll zu tun. Die Schafzucht ist ein besonderes Fach und fällt nur zum Teil an eine Hand voll Bauern. Das ist weil dem idealen Tier hohe Anforderungen gestellt werden. Es muss bequem geboren werden, schnell wachsen, eine bleibende gute Fruchtbarkeit haben, fleischig an den richtigen Stellen sein und als Mutterschaf viel Milch geben. Noch nicht genug, ein gutes Aussehen des Tieres ist sehr erwünscht um mögliche Kunden besser überzeugen zu können.
Ich habe keine Veranlagung für die Zucht geerbt. Die Schafzucht hat mich geerdet, mit dem Land zu tun zu haben, das geht ins Blut. Ich bin ein Liebhaber der Bergschafzucht. Durch darüber viel zu lesen, mit anderen Züchtern zu reden, habe ich mich ausbildet. Daraus entstand das Bestreben, das vollendete Schaf züchten zu wollen. Die Schafzucht ist dem zu Folge besonders eine Frage der Intuition, sehr viel Intuition. Das Ansehen des Bestzüchters ist aber nicht ewig während. Das ersieht man aus der Geschichte von Kollegen. Oft sind nostalgische Ansichten bleibend verwurzelt, solche Betriebe selektieren sich mit der Zeit von selbst. Es gehört ein gutes Auge, Ehrgeiz und auch ein Investitionsrisiko dazu.
Vertrauen ist einer der entscheidenden Faktoren in der Zucht. Das gibt mir den Anlass meine Zucht mit Nachzuchten eines Zuchtbetriebs aus Axams zu verfeinern. Widder und weibliche Tiere aus diesem vorzüglichen Betrieb bilden in meinem Stall wertvolle Stützen. Interessant dabei, der Zugriff auf bedeutende Linien die in der Vergangenheit für Spannung und Siege gesorgt haben.
Zum Beispiel der Widder 252067/1, Elitewidder 297630/8, so auch vom teuersten Widder aller Zeiten Imst 2000 um 196.000 Schilling, ist Genetik in meiner Zucht vorhanden.
Solche Tiere entwickeln sich schon beim Deckakt zu genetischen Rohdiamanten. Behandelt man diese dann entsprechend könnten es das die Sieger von morgen sein und sich so mein Zuchtziel erfüllen. Nicht immer stand das Glück auf meiner Seite.
Viele male hätte ich resignieren können, wenn ich bei jedem negativen Ereignis aufgegeben hätte. Doch genau dann entwickelte sich ein noch stärkeres Potential zur Steigerung. Rückblickend würde ich keine Zuchtexperimente mehr im Alleingang machen, sondern versuchen gleich entsprechendes Genmaterial aus vertrauten Zuchten zu bekommen (wozu ich nur raten kann).
Die Zeit bleibt aber nicht stehen und so werden meine Kinder den Betrieb eines Tages übernehmen.
Mit weiterer Unterstützung für die Bergschafzucht können sie natürlich rechnen.